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Joan Kolew
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Palast „Wrana“ erhält einstiges Aussehen allmählich zurück
Dienstag 7 Juli 2026 15:15
Dienstag, 7 Juli 2026, 15:15
FOTO dvoretz-vrana.bg
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Der Palast „Wrana“ in unmittelbarer Nähe von Sofia wurde 1912 fertiggestellt und liegt in einem fast 100 Hektar großen Park, in dem Hunderte von Pflanzenarten gedeihen, von denen einige unter Naturschutz stehen. Er war eine der beliebtesten Residenzen der Monarchen aus der Zeit des Dritten Bulgarischen Königreichs (1878–1945) – Ferdinand I., Boris III., Simeon II. und seiner Nachfolger.
Der Name des Palastes „Wrana“ geht auf die Leidenschaft von Zar Ferdinand für die Ornithologie und seine Entscheidung zurück, ihn nach dem Vogel zu benennen, der auf seinem Dach gelandet war.
Дворецът "Врана" постепенно възвръща своя изключителен интериорен облик
FOTO Facebook /Ивайло Шалафов
Die Geschichte dieses Anwesens war im Laufe der Jahre Gegenstand zahlreicher Forschungen und Dokumentarfilme. Seit 2010, nach der Gründung der Stiftung „Zar Boris und Zarin Johanna“, einer speziellen Stiftung für die Erforschung und zum Schutz des historischen Erbes, Artefakte und Erinnerungen an die Zeit des Dritten Bulgarischen Königreichs, finden im Palast intensive Restaurierungsarbeiten statt. Parallel dazu wird die Museumssammlung um persönliche Gegenstände, Dokumente und Bücher erweitert, die in den Häusern von Zar Simeon in Madrid, Königin Johanna in Estoril in Portugal und Prinzessin Maria Luisa in der Nähe von New York (USA) aufbewahrt werden. Die Sammlung befindet sich in dem von Architekt Nikola Lasarow entworfenen Gebäude, das als „Neuer Palast“ bekannt ist.
Doz. Dr. Iwajlo Schalafow
FOTO dvoretz-vrana.bg
Das erste Gebäude im Park „Wrana“, der Alte Palast, wurde nach einem Entwurf des Architekten Georgi Fingow errichtet, der als Meister des Jugendstils in der bulgarischen Architektur gilt. Derzeit ist dieses Gebäude die Residenz von Simeon II. und seiner Gattin Margarita, erklärt Doz. Dr. Iwajlo Schalafow, Direktor der Stiftung „Zar Boris und Zarin Johanna“, der sich gemeinsam mit seinem Team um die Erhaltung des monarchistischen Erbes kümmert, das im „Königsmuseum“ untergebracht ist.
FOTO Facebook /Park-Museum Wrana
„Der
Palast „Wrana“ ist seit kurzem auch für Touristen zugänglich. Gruppenbesichtigungen im
Erdgeschoss finden nach vorheriger Anmeldung statt. Auch die vor fünf Jahren restaurierte Kapelle
steht der Öffentlichkeit offen“, erzählt Iwajlo Schalafow und fügt hinzu, dass es sogar einen Priester gibt, der sich um sie kümmert. Es finden auch Taufen statt, auf ausdrücklichen Wunsch der Königsfamilie. Schalafow unterstreicht auch den Beitrag des bulgarischen Patriarchen Neofit, des
Metropoliten von Plowdiw Nikolaj
und der Heiligen Synode
hervor, die dafür
gesorgt haben, dass die
kirchlichen Reliquien in das Haus der königlichen Familie zurückkehren
konnten.
FOTO Facebook /Iwajlo Schalafow
Der Spaziergang durch die schattigen Alleen des Parks „Wrana“ kann mit dem Besuch der königlichen Residenz bereichert werden, die Simeon von Sachsen, Courg und Gotha im Jahr 2001 der Stadtverwaltung von Sofia unter der Bedingung geschenkt hat, dass sie instandgehalten wird und die Bürger freien Zugang haben.
Interessante Fakten über die bulgarischen Monarchen
Der Palast und der dazugehörige Park waren ein beliebter Ort für die Familien der ehemaligen bulgarischen Monarchen, die jede Gelegenheit nutzten, um dort Zeit zu verbringen.
„König Ferdinand schuf diesen Ort, um hier seinen Interessen in den Bereichen Botanik, Ornithologie und Natur Ausdruck zu verleihen. Er hegte er eine große Zuneigung zu diesem Ort, doch sein Schicksal wollte es, dass er hier nur vier Jahre seines Lebens verbringt. Am 3. Oktober 1918 musste er infolge des für Bulgarien unglücklichen Ausgangs des Ersten Weltkriegs abdanken und sich in ein lebenslanges Exil begeben. Den Thron bestieg sein Sohn, Zar Boris III., der an diesem Ort am längsten lebte – in den folgenden 25 Jahren“, setzt Iwajlo Schalafow seine Erzählung fort. „Der Wunsch von Ferdinand, in Bulgarien beerdigt zu werden, konnte erst viele Jahre später erfüllt werden. 1948 war das nicht möglich, denn die Monarchie wurde durch eine Republik ersetzt und die neue Macht alles daransetzte, jegliche Symbole und Erinnerungen an die vorherige Staatsform auszulöschen.
FOTO Facebook /Iwajlo Schalafow
Im Jahr 1954 wurde auf Befehl des damaligen Staatschefs, Walko Tschervenkow, ein Sakrileg begangen. Das Grab von Zar Boris III. sowie die darüber errichtete Kapelle im Schlosspark wurden gesprengt. In diesem Zusammenhang erwähnt Iwajlo Schalafow eine Geschichte, die ihm der Verwalter der Residenz und des dazugehörigen Parks zu Zeiten des Sozialismus, Todor Kolarow, erzält hatte.
1968 sei eine Delegation des britischen Parlaments in Bulgarien eingetroffen und Todor Kolarow war beauftragt, sie durch den Park von „Wrana“ zu führen. Während des Spaziergangs wollte ein Mitglied der Delegation wissen, wo sich das Grab von Zar Boris befindet. Halbherzig antwortete Kolarow, dass es zerstört worden sei. Der Spaziergang wurde fortgesetzt und führte irgendwann zum sogenannten Hundefriedhof, auf dem die Zarenfamilie ihre Haustiere beerdigt hatte. Da diese Anlage erhalten geblieben war, fanden es die Engländer befremdlich, dass die Gräber der Hunde noch da waren, das Grab des bulgarischen Zaren aber nicht.
FOTO Joan Kolew
Auf die Geschichte des Zarenpalastes zurückblickend, macht Iwajlo Schalafow einen Vergleich zwischen den Residenzen der bulgarischen Königsfamilie und denen der Dynastien in den benachbarten Balkanstaaten.
„Bei uns ist es Tradition alles, was mit den Familien der Monarchen zu tun hat, als „königlich“ zu bezeichnen. Wenn von den königlichen Palästen „Sitnjakowo“ und „Saragjol“ die Rede ist, muss ich schmunzeln, denn dabei handelt es sich um einfache Jagdhütten aus Holz, die bei Jagdausflügen genutzt wurden. Hören die Leute aber das Wort Palast, stellen sie sich Versailles oder etwas Ähnliches vor, was einfach nicht stimmt. Vergleichen wir die Paläste der bulgarischen Königsfamilie mit denen der anderen Balkanherrscher in Rumänien und Serbien - außergewöhnliche Palastanlagen, bei denen es den kommunistischen Führern dieser Länder zur Ehre gereicht, dass sie nichts von dem darin befindlichen Eigentum beschädigt oder gestohlen haben. Wir Bulgaren können uns mit nichts Derartiges rühmen“, bedauert Schalafow.
FOTO Joan Kolew
„Wrana“ war in den ersten Jahren des Sozialismus Sitz der bulgarischen Ministerpräsidenten Georgi Dimitrow und Wassil Kolarow. Auch ihre Nachfolger im Amt, Walko Tscherwenkov und Todor Schiwkow, nutzten die Räumlichkeiten des Palastes zu verschiedenen Anlässen. Das Gebäude beherbergte hinter seinen Mauern sowohl Staatschefs aus den benachbarten Balkanstaaten als auch den kubanischen Staatschef Fidel Castro, der bei seinen beiden Staatsbesuchen in Bulgarien ausdrücklich darauf bestand, im Palast untergebracht zu werden.
FOTO Iwan Schischiew
Iwajlo Schalafow hat in seinem Buch „Wrana in der Krone“ noch viele weitere interessante Informationen über die Geschichte des Palastes im Laufe der Jahre zusammengetragen, ergänzt durch Archivfotos und Dokumente. Es enthält einzigartige Dokumente und Fotos der königlichen Familie, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. „Bei den Schwarz-Weiß-Fotos sind wir innovativ vorgegangen und haben es geschafft, einen Teil davon digital einzufärben. Ich bin, wenn auch etwas unbescheiden, der Meinung, dass die Ausgabe sehr gelungen ist. Sie ist Teil einer Reihe zum Thema des Dritten Bulgarischen Königreichs, seiner Herrscher sowie des gesellschaftlichen und militärischen Lebens in dieser Zeit, die wir fortsetzen und die ich für Bulgarien als wichtig erachte.“
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Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa